12. Juli 2020

FSV Zwickau – FC Rot-Weiß Erfurt 1:2

Um 8:00 Uhr klingelt der Wecker im Studio 503 des ICE Hotel Leipzig. Nach einer ausgiebigen Dusche geht es mit dem Lift ins Erdgeschoss, um von dem hervorragenden Frühstücksangebot Gebrauch zu machen. Dem fehlt es eigentlich an gar nichts. Rührei mit Bacon, diverse Sorten Müsli, verschiedenes Obst und leckere Kaffeeköstlichkeiten aller Art lassen keine Wünsche offen. Nach dem Check-Out an der Rezeption geht es wieder zum Hauptbahnhof, wo meine Reise nach Zwickau beginnt.

Mit der S2 dauert die Fahrt von Leipzig normalerweise etwas mehr als eine Stunde. Heute dauert Sie jedoch knapp 90 Minuten, denn in Gößnitz steigen noch etwa 250 Rot-Weiß Fans zu. Höflich bittet der DB-Zugbegleiter darum, in die 1. Klasse aufzurücken, damit wir von den Fußballanhängern nicht belästigt werden. Innerlich muss ich schmunzeln, nehme das 2. Upgrade der Deutschen Bahn innerhalb von 24 Stunden aber trotzdem an. Zwei bekannte szenekundige Beamte begleiten den Thüringer-Tross, der sich allerdings vorbildlich verhält. In Crimmitschau passiert der Zug am Bahnhof noch das legendäre Pils-Pub Penalty, ehe der Zug Zwickau ins Visier nimmt.

Dort angekommen scheitert der Versuch ein Schließfach für das Gepäck zu bekommen kläglich. Ganze sechs Schließfächer stehen für größere Taschen zur Verfügung, von denen drei außer Betrieb waren. Auf die Frage, ob dies die einzige Möglichkeit ist Gepäck zu verstauen, erhalte ich die Antwort: „Ja, das hat sich nie gelohnt. Die kosten zu viel Geld! Da haben sie wohl Pech gehabt!“. Nun ja, motzen hilft da auch nichts und kostet nur unnötig Zeit. Um dennoch rechtzeitig zum Anstoß im Stadion zu sein, muss Plan B her. Ein guter Freund und Kollege wohnt in Crimmitschau, also Handy raus, Nummer gewählt, Situation geschildert und keine 30 Minuten später ist dass Gepäck im Wagen verstaut und ich bin auf dem Beifahrersitz auf dem Weg ins Stadion.

Da ich schon knapp dran bin mache ich noch schnell ein paar Aufnahmen von außen, als ich im säsischen Dialekt blöd von der Seite angelabert werde. Was ich hier will und ob ich mich mal verpissen könnte. Im ersten Moment weiß ich nicht so recht, was die Muskelspinne im weißen FSV T-Shirt von mir will, kann mich aber nur Bruchteile später an meine iPhone Cover erinnern, welches groß und breit das Logo meines Heimatclubs Rot-Weiß Erfurt ziert. Der Gästeeingang sei auf der anderen Seite, wie respektlos ich wäre als Erfurt Fan auf der Gegengerade zu sitzen und ob ich nicht mit ihm etwas abseits der Ordnungshüter die Situation mit ihm klären möchte, entgegner er mir. Da ich vermutlich in Unterzahl gegen die Zwickauer Szene antreten muss, entscheide ich mich für den Fingerzeig auf den Gesetzeshüter. Der kommt rüber und fragt was hier los sei. Ich schildere die Situation, dass ich im Besitz einer Karte für die Gegengerade bin, der Platzeinweiser aber der Meinung ist, dass dieser Eingang nur mit sächsichen Dialekt betreten werden darf. Auf die Frage vom Gesetzeshüter, ob der Möchtegern-Ultra denn hier die Hausordnung geschrieben habe, kommt Schützenhilfe von einem weiteren Hanswurst des Zwickauer Jungsturms „Nu ja so halb!“. Ein „Der Sportsfreund geht hier jetzt rein“ später, gehe ich durch das Drehkreuz ins Stadioninnere, während die beiden Zwickauer Freunde, nennen wir sie mal Lolek und Bolek, da mir ihre Namen nicht bekannt sind, noch Ihre Personalausweise vorzeigen dürfen.

Im inneren der kleinen, aber schmucken Arena ist schon ordentlich Betrieb, da es inzwischen auch nur noch zehn Minuten bis zum Anpfiff sind. Erfurt beginnt konzentriert und geht nach einem kapitalen Abwehrschnitzer der Zwickauer durch einen Beinschuss von Routinier Brückner früh in Führung. Es dauert ein wenig, ehe die Hausherren sich fangen und etwas besser ins Spiel kommen. So kommt es das Bär einen Kopfball nach Flanke von der rechten Seite, gegen die Laufrichtung von Erfurts Torwart Klewin zum 1:1 Ausgleich im Tor unterbringt. Dem ersten Zwickauer Tor im neuen Stadion folgte aber schnell Ernüchterung. Einen weiteren viel zu kurzen Rückpass nimmt Erfurts Toptorjäger Kammlott dankend mit, umspielt Zwickaus Torwart Brinkies und stellt das Ergebnis mühelos auf 1:2. Nach der Pause gibt es noch den ein oder anderen Aufreger, welche dass emotionale Zwickauer Publikum ordentlich in Rage versetzt. Alle „Sachsenring, oh Sachsenring ole“ Anfeuerungsverusche bleiben jedoch erfolglos, so dass die drei Punkte am Ende mit in die Blumenstadt reisen.

Pünktlich nach Abpfiff steht mein persönlicher Shuttleservice wieder für mich bereit und bringt mich in nullkommanix wieder zurück zum Bahnhof. Um 16:28 Uhr geht es dann über Hof, Nürnberg und München wieder zurück nach Kempten. Highlight der Rückreise sind ganz klar die Krabbenbrötchen mit Cocktailsauce vom Gosch im Nürnberger Bahnhof. Kurz vor elf erreicht der ALEX pünktlich Kempten, von wo aus das letzte Teilstück der Reise mit dem Auto zurückgelegt wird.

Spielstatistik

FSV Zwickau – FC Rot-Weiß Erfurt 1:2

3. Liga 2016/2017, 6. Spieltag
11.09.2016, 14:00 Uhr
Stadion Zwickau (Zwickau), 6.900 Zuschauer
Schiedsrichter: Henry Müller

Tore:
0:1 Daniel Brückner (3.)
1:1 Marcel Bär (31.)
1:2 Carsten Kammlott (36.)

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