Atlanta United – New York City FC 3:1

Bei einer zweiwöchigen Dienstreise in die Vereinigten Staaten meinte es der Fußballgott scheinbar mal wieder gut mit mir. Die Regular Season der Major League Soccer, der höchsten Spielklasse der USA, wurde kurz vor Beginn meiner Reise mit dem letzten Spieltag abgeschlossen. Wie in den anderen nordamerikanischen Ligen jedoch üblich, braucht es zum Gewinn der nationalen Meisterschaft über dem Teich etwas mehr, als nach Abschluss der Hin- und Rückrunde am Platz an der Sonne zu stehen. Die Amerikaner lieben es ihre Meister in der sogenannten Post-Season zu ermitteln. Was sich im Eishockey, Baseball, Football oder Basketball bewährt hat, wird dann eben auch im Fußball so umgesetzt. Gut für mich, denn so kam ich in den Genuss ein Playoff Heimspiel des vor drei Jahren gegründeten Clubs Atlanta United FC zu besuchen.

Die Heimspiele werden im neu erbauten Mercedes Benz Stadium ausgetragen. Einen ersten Blick auf diesen Bau konnte ich bereits auf dem Landeanflug auf Atlanta am vorigen Wochenende erhaschen. Beim Sightseeing in Downtown eine Woche später, einen Tag vor dem Spiel, hatte ich ebenfalls das Glück beim Blick aus dem 72. Stock des Westin Hotels. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk! Die Arena teilt sich der Fußballklub aus dem Bundesstaat Georgia gemeinsam mit der NFL Football Mannschaft der Atlanta Falcons. Ab und an findet auch mal ein College Football Spiel hier statt, aber das ist eher die Ausnahme. Ein Highlight im Februar 2019 steht allerdings noch bevor. Dann ist das 85.000 Zuschauer fassende Stadion Gastgeber für das wohl größte Einzelsportevent auf diesem Planeten, dem 53. NFL Super Bowl. Ich habe mittlerweile schon viele Arenen gesehen, von alten maroden, baufälligen Stadien bis hin zu modernen, neuen Multifunktionsarenen in Europa, doch dieser Bau hat sein komplett eigenes Flair und lässt sich nicht wirklich mit den Stadien in Europa vergleichen. Wahrscheinlich ist es der typisch amerikanische Stil, der es so sehr von unseren neuen Arenen unterscheidet. Riesige Bars, mit Auswahl von diversen Pale Ale Variationen, über verschiedene Sorten Lager bis hin zu den typischen Light Biersorten aus den Staaten, natürlich alles frisch gezapft versteht sich. Auch Cocktails aller Art können an den diversen Bars frisch zubereitet werden. Die diversen Essenstände, die sich neben einem richtigen Restaurant im Unterrang, auf allen drei Ebenen des Stadions befinden, konnten alle kulinarischen Bedürfnisse befriedigen. Sogar ein „German Bratwurst Stand“ konnte ich ausfindig machen. Essenstechnisch gibt es praktisch nichts was es nicht gibt. Selbstverständlich alles in Super-Size-Portionen. Ich entschied mich ausnahmsweise einmal nicht für die Stadionwurst, sondern für einen typisch amerikanischen Hot Dog als Snack vor dem Spiel, nachdem ich bereits zu vor in der Stadt im Atlanta Braves Clubhouse drei leckere Tacos mit Pulled Pork zum Mittag hatte.

Die Begeisterung für Fußball in den vereinigten Staaten hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Zum einen vermutlich durch die jährlichen USA Reisen, der europäischen Topklubs, auf der anderen Seite sicherlich auch, durch die Auftritte einiger Superstars, die den Winter ihrer Karriere in den Staaten verbringen. Ibrahimovic, Schweinsteiger und David Villa, um nur einige zu nennen, die sicherlich jeder Fußballfan kennt. Generell überrascht war ich von der guten und auch fußballtypischen Stimmung im Stadion. Hinter einem Tor fand sich eine Art Ultragruppierung der United Fans ein. Diese machten über die kompletten neunzig Minuten ordentlich und lautstark Stimmung. Auch mehrere große Zaunfahnen und Schwenkfahnen im Block sorgten für Fußballstadionatmosphäre. Ein bis zweimal pro Halbzeit kam es sogar zu einem Wechselgesang, bei dem das ganze Stadion aktiv wurde. Während von der gegenüberliegenden Seite ein lautes Atlaaanta herüberschwappte, schallte aus unserer Richtung ein mindestens genauso lautes Uniiiited zurück.

Das Spielniveau an sich kann mit dem Level der europäischen Topligen natürlich nicht verglichen werden. Vermutlich wären unsere Zweitligisten aus der unteren Tabellenhälfte gegen beide Mannschaften wettbewerbsfähig, ohne den Akteuren zu nahe treten zu wollen. Für mich geht es aber bei solchen Besuchen mehr um das Stadion und das ganze Drumherum, als das eigentliche Spiel selbst, wobei das Gebotene an dem Tag echt sehenswert war. Atlanta brachte einen wichtigen 1:0 Auswärtserfolg aus dem Yankee Stadium aus dem Stadtteil Bronx in New York mit zurück nach Georgia und hatte somit eine gute Ausgangsposition für das heutige Rückspiel. Als der vor dem Spiel mit dem „Golden Boot“ ausgezeichnete Torjäger Martinez Mitte der ersten Hälfte auch noch per Strafstoß die Heimelf in Führung brachte, und anschließend Sturmkollege Almirón per sehenswerten Freistoß auf 2:0 erhöhte, schien eine Vorentscheidung gefallen. Doch mit dem Pausenpfiiff kamen die Gäste aus dem Big Apple nach einem David Villa Freistoß durch Chanot zum 2:1 Anschlusstreffer. Zwei Tore noch und die New Yorker würden in das Eastern Conference Finale vorrücken. Damit war auch im zweiten Abschnitt noch ein wenig Spannung drin. Atlanta verteidigte tief und New York versuchte das 2:2 zu erzwingen, um dem Spiel eine völlig unerwartete Wendung zu geben. Doch die die Mannen um den ehemaligen Barca und Atletico Star David Villa konnten Atlanta Torhüter Brad Guzan nur selten in Verlegenheit bringen. Mit zunehmender Spieldauer wurde New York immer offensiver und so gab es für den flinken Martinez und seine Mitspieler immer wieder Kontergelegenheiten. Eine nutzte der Toptorjäger der MLS in der 83. Minute zum viel umjubelten dritten Treffer für die Hausherren. Das laute Horn erschallte ein weiteres Mal durch das weite Rund und von da an begann die Siegesparty auf den Rängen.

Mit dem Abpfiff erschien dann noch ein fettes „WIN“ auf dem riesigen, durchgängigen 360 Grad Videoboard an der Dachkonstruktion des Stadions. Zur Feier des Tages konnten alle Zuschauer die noch Lust zum Bleiben hatten, im Unterrang das Spiel zwischen Columbus und den New York Red Bulls verfolgen. Die Verkaufsstände und Restaurants blieben noch bis in die späten Abendstunden offen und da die Uber Taxipreise kurz nach Spielende relativ hoch waren, entschied ich mich noch ein wenig im Stadion zu verweilen, ehe ich mich auf den Heimweg zu meinem Hotel im Norden der Stadt begab. Abschließend als kurzes Fazit, solltet ihr irgendwann die Möglichkeit haben euch die Arena anzusehen, egal ob es sich um ein Konzert, ein American Football- oder Fußballspiel handelt, nutzt die Chance. Es ist absolut beeindruckend und sehenswert! Die 50 Euro die ich umgerechnet für das Ticket im Oberrang gezahlt habe, waren jeden einzelnen Cent wert.

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