Coventry City – Sheffield United 1:2

Nachdem wir ausgeschlafen hatten, war es Zeit für das Full Trentham Breakfast. Es war so lecker und so reichhaltig, dass ich bis in die frühen Abendstunden nichts mehr zu essen brauchte. Wir packten unsere Koffer und dann mussten wir uns allmählichen von unseren tollen Gastgebern verabschieden. All good things come to an end. Die Zeit bei Kevin und Maureen war wunderschön und ich bin so unendlich dankbar die beiden zu kennen. Am Bahnhof angekommen wünschten wir uns gegenseitig ein fröhliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Von Stoke aus nahmen wir den Zug über Wolverhampton und Birmingham nach Coventry.

Wir erreichten die Haltestelle Coventry Ricoh Arena gegen halb vier und checkten direkt im stadioneigenen Hotel ein. Wir hatten ein Zimmer mit Blick in den Innenraum der Arena, ein Zimmer der sogenannten „Pitch View“ Kategorie. Das was für den „normalen“ Urlauber ein Zimmer mit Meerblick ist, das war für uns das Zimmer mit Ausblick auf das satte Grün im Innenraum. Wir hätten die Partie am Abend problemlos von hier aus verfolgen können, dachten aber keine Sekunde daran. Ähnlich wie in Bolton erkundeten wir auch hier die Gegend rund um das Stadion und statteten dem angrenzenden Einkaufszentrum auf der anderen Seite der Bahngleise einen Besuch ab. Das Umfeld ähnelte der Arena in Bolton sehr. Ein Stadion außerhalb vom Stadtzentrum liegend, mit angrenzender Einkaufsmeile. Auf dem Rückweg machten wir einen Halt am 10-in-10 Fanbus von SkySports, der gerade ein paar Fans von Sheffield United an der Ricoh Arena ablieferte. Die Blades waren aktuell auf dem dritten Rang der League One hinter Scunthorpe und Bolton und wollen diese Saison unbedingt zurück in die zweithöchste englische Spielklasse.

Während mein Vater immer noch satt vom Frühstück war, gab es für mich noch einen Cheeseburger im Restaurant „Zum Schachtelwirt“ mit dem großen goldenen M, bevor wir uns auf den Weg zum Eingang machten. Im Stadion bestellte ich uns je ein Pint Guinness und kam mit dem Verkäufer ein wenig ins Gespräch. Er hatte noch Zeit, denn wirklich viel los war hier noch nicht. Er erzählte mir, dass er Arsenal Fan ist und dass er es unglaublich findet, dass wir sieben Spiele in sieben Tagen ansehen. Er fragte ob ich das ganze irgendwie in Worten und Bildern festhalte. Ich bejahte und gab ihm die Adresse meines Internetblogs und meines Twitteraccounts. Ich schrieb beides gut leserlich auf die Rückseite eines liegengebliebenen Kassenzettels und verabschiedete mich von der freundlichen Servicekraft. Wir tranken unser Bier aus und gingen anschließend zu unseren Plätzen.

Das Spiel begann und zeitgleich schallten hunderte Trillerpfeifen, sowie „We want SISU out“ Rufe durch die Arena. Die Fans aus Coventry protestierten mal wieder gegen die Misswirtschaft, die das Konsortium SISU in den letzten Jahren betrieben hat. Die Clubanteile sollten, so wollten es die Fans, schnellstmöglich verkauft werden. „SISU SELL UP“ war auf hunderten Luftballons zu lesen. Diese flogen auch immer wieder aufs Spielfeld und behinderten die Akteure. Nach einer Viertelstunde tat dann auch noch ein Flitzer seinen Protest kund. Er setzte sich auf den Mittelpunkt. Doch anstatt den Eindringling schnellstmöglich zu entfernen, taten die Ordnungshüter zunächst einmal nichts. Es schien, als unterstützten sie die Protestaktion der Fans. Der Flitzer saß in aller Seelenruhe für knapp eine Minute auf dem Anstoßpunkt. Danach machte er sich im Laufschritt zurück Richtung Tribüne, wo er von mehreren Polizisten mehr oder weniger freundlich in Empfang genommen wurde. Im Oberrang auf der Haupttribüne waren mehrere Menschen in weißen T-Shirts zu sehen, jeder von ihnen hat einen überdimensionalen Buchstaben auf dem Shirt. Die Botschaft war natürlich: SISU OUT. Der jungen Mannschaft der Sky Blues hätte Unterstützung sicherlich besser getan als der Protest, denn Sheffield ging mit der ersten echten Chance durch Torjäger Billy Sharp in Führung. Man konnte die Verunsicherung förmlich spüren.

Nach der Halbzeit kam Coventry etwas besser ins Spiel und erzielte trotz allem überraschend den Ausgleich. Ein abgefälschter Schuss senkte sich unhaltbar hinter Sheffields Schlussmann ins Tor. Aber auch jetzt kamen nur kurze Anfeuerungsrufe von den Rängen, gefolgt von weiteren Proteste. Diese führten sogar soweit, dass etwa 150 Anhänger fünf Minuten vor Spielende das Spielfeld stürmten. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie und schickte beide Teams in die Kabinen. Die Aufständigen suchten den Weg Richtung Haupttribüne, konnten aber dann doch vom Stadionsprecher davon überzeugt werden, wieder auf ihre Plätze zurückzukehren. Sheffield war von der ganzen Szenerie scheinbar unbeeindruckt und erzielte kurz nach Wiederanpfiff den viel umjubelten Siegtreffer. Wieder war es Billy Sharp, der eine Unachtsamkeit in der Hintermannschaft der Sky Blues ausnutzte. Diese Szene war sinnbildlich für alles was sich an diesem Tag im Stadion abspielte.

Nach dem Abpfiff machten wir uns zügig zurück auf den Weg ins Hotel, tranken jeder noch ein Pint Guinness in der Hotelbar und verfolgten im Anschluss die restliche TV Übertragung des ersten Tages der Darts WM aus dem Ally Pally in London.